Archiv für April 2014

Politik im Alltag oder: Das fehlen von Konversationsgegenständen

Hallo an alle,

Gestern war ich auf einem Geburtstag eingeladen – es wahr sehr schön, und trotzdem ist mir etwas aufgefallen das mich zum Nachdenken gebracht hat.

Neben mir wahren diverse Freund*Innen von besagtem „Geburtstagskind“ da, bei denen es auch einige Überschneidungen zu meinem Freund*Innenkreis gibt.
Eines der Themen über die ich mich mit den Menschen dort super unterhalten konnte war das allgegenwärtige Rollenspiel, das andere Politik. Das wir uns über etwas anderes unterhalten haben, außer dann vielleicht mal kurz Essen und Trinken oder über die noch ausbleibenden Gäste kann ich mich nicht groß erinnern.

Die Frage die ich mir stelle: Ist es nun negativ das wir nur Politik und Rollenspiel als Gesprächsthemen haben?
Ich würde diese Frage mit einem Nein beantworten, denn ich denke andere „Gruppen“ oder „Personenkreise“ haben, genau wie wir, so gut wie immer eine eingeschränkte Wahl an Themen die sie diskutieren/bereden. So geht es bei vielen denke ich mal um (Bundesliga-)Fußball, Modetipps, aktuelle TV-Sendungen, Filme und Videospiele so wie Tratsch und Klatsch. Oder halt auch mal gerne über die letzte Party.

Vielen Menschen erscheinen unsere Gesprächsthemen vermutlich abschreckend, geht es doch immer darum was wieder wo passiert ist, wer was erlebt hat und das ganze in einer feministisch- antifaschistischen Perspektive zu bewerten.
Ich denke das es uns einfach hilft uns weiter zu emanzipieren, selbst zu hinterfragen und reflektieren und irgendwie dann doch ein besseres Gesprächsthema ist als „Hast du gesehen was B-Promi XY wieder ekliges gegessen hat im Dschungelcamp?“.

Soweit von mir,
Ich wünsche euch allen noch ein schönes verlängertes Wochenende mit dem Lattenjup,

eine schwarze Katze

Hass

Wie die eine oder der andere vielleicht weiß mache ich Endzeit-Liverollenspiel.
Dazu gehört, sich einen Charakter auszudenken und dann sich Kleidung und Ausrüstung zusammen zu suchen und zu basteln.
Mein Aktueller Charakter ist eine „Sie“. Das heißt, ich männlich wahrgenommener Mensch habe mir Klamotten zusammengesucht die in unserer Gesellschaft eher nicht von „Kerlen“ getragen werden. In diesem Ramen war ich dann auch bei meinem Nachbarn und Freund, der noch alte Strumpfhosen und so weiter herumliegen hat. Bei ihm habe ich dann auch ein paar Schaumstoffbrüste gefunden, diese in kombination mit einem BH anprobiert und beschlossen das die super zu dem Char passen.

Danach bin ich, in Minirock, Strumpfhose, Brüsten und zu dem Zeitpunkt einem Bart von einer Woche, die Straße wieder hoch gelaufen nach Hause. Auf diesem Weg kam mir ein älterer Herr entgegen. Dieser hat mich gemustert und mit einem hasserfüllten Blick angesehen.

Was hatte ich getan? Nichts, außer das ich ihn scheinbar in seiner „Männlichkeit“ angegriffen habe. Ich, als „Mann“, als der „Starke“, als der „Herrscher über die Frauen“, ich habe es gewagt sein Geschlecht und meine Männlichkeit zu verdrehen. Dadurch das ich meine Männlichkeit nicht anerkenne und karikatiere wird ihm vielleicht bewusst dass sein Geschlecht auch nur Sozialisation und Konstruktion ist, dass alles was er kennt, seine Macht mit einfachen Dingen wie Kleidung binnen eines Momentes zerstört und dekonstruiert werden kann.
Vielleicht findet er mcih aber auch einfach nur abartig und wiederlich, als eine perversion der Natur.

naja, ich geh jetzt auf ein Liverollenspiel und wünsche euch allen noch eine schöne Woche,
eure schwarze Katze

Warum sind coole Antifas einfach nicht die tollsten?

Er ist jedes Wochenende auf einer Demo und blockiert Nazis. Tagsüber hängt er unter der Woche im autonomen Jugendzentrum rum, kennt dort jeden und weiß auch immer Bescheid. Seine Taten in der ersten Reihe kennen nun auch schon alle und auf dem Dancefloor ist er echt mal der größte. Wenn ich ihn auf ner Demo sehe dann ist er der lautstarke kämpferische Held der seine Freundin beschützen muss – der Ideale Antifschist halt.

Aber halt, finde ich das wirklich? Eigentlich nicht. In meinen Augen sollte ein*e Antifaschist*In nicht nur auf der Straße gegen Nazis Demos und Blockaden machen. Klar, das ist schön wenn so was passiert und wenn sich Menschen entschlossen diesen Ärschen in den Weg stellen, aber ein konsequenter Antifaschismus geht viel weiter.
Wenn ich gegen Nazis bin weil ich ihr Weltbild ablehne muss ich auch selbst versuchen ihr Weltbild, und sei es im noch so kleinen, mit allen Mitteln nicht in mein Leben einfließen zu lassen.
Was das für mich persönlich bedeutet?
Nun, für mich bedeutet das mein Verhalten zu hinterfragen und zu reflektieren – und anderen dabei zu helfen das ihre zu reflektieren.
Denn nur wenn wir selbst den Sexismus, Heteronormativität, Zweigeschlechtlichkeit, Rassismus und Antisemitismus in unserem Denken erkennen und bekämpfen und uns auch mal kritisieren lassen können wir Antifaschist*Innen sein.

Aber bevor ich jetzt hier herumpöbel und allen sage das sie doof sind: Mein Verhalten ist auch manchmal einfach nur das des Typischen Helden: weiß, heteronormativ, aufopfernd und zum Kotzen – aber genau das muss dann halt auch reflektiert werden.

antifaschistische Grüße,
eine schwarze Katze