Archiv für November 2014

ein kleiner Vortrag über Entmenschlichung

Neulich ergab es sich in einer Gesprächssituation über Fußballultras und Hooligans, dass eine Person so etwas sagte wie: „Das kann doch kein Mensch wollen!“.
Ich persönlich finde dieses Argument immer ziemlich beschissen, denn es sagt aus das es sich bei der Person offenbar um keinen Menschen handeln kann. Hier wird angenommen, dass die eigene Ideologie und Denkweise universal auf jede andere Person zu übertragen ist und wer nicht so denkt ist halt eben kein Mensch. Somit wird eine Weltanschauung vertreten in der selten ein Denken außerhalb des eigenen Kopfes stattfindet.
Auch wenn dieses Gespräch außerhalb meiner üblichen ‚Linke Szene Peergroup‘ stattgefunden hat hat es doch etwas damit zu tun. Denn auch hier finde ich Regelmäßig Entmenschlichungen. Nazis und Bullen werden nicht mehr als Menschen Wahrgenommen, der politische Gegner wird als Schwachsinn abgetan – vor allem in den guten alten ‚AntiD vs. Antiimp‘ Diskussionen.
Ja, natürlich ist die Ideologie von Nazis Menschenverachtend, Antisemitismus zum Kotzen und die Bullen dazu da um den sog. demokratischen Rechtsstaat in die Köpfe zu prügeln. Aber es sind immer noch Menschen, die ihre eigenen persönlichen Gründe dafür haben warum sie so beschissen handeln.
Wenn sich das jetzt zu sehr nach „keine Gewalt gegen Bullen und Faschos und sonstige Idioten“ anhört entschuldigt bitte. Ich habe nach wie vor mit der Situation und dem Ziel angemessener Gewalt absolut kein Problem und befürworte es das Gewaltmonopol des Staates in Frage zu stellen. Aber ab und zu sollte Jede*r von uns mal in den eigenen Kopf schauen und überlegen ob die Person über die wir reden wirklich kein Mensch ist.

Menschliche Grüße,
eine schwarze Katze

Die Fleischindustrie und Holocaustvergleiche

Hallo Welt,
Nach ein paar Zeilen zu Israel und einer längeren Pause mal wieder ein paar Worte von mir.
Neulich habe ich mal wieder das ‚Argument‘ gehört, „in der Fleischindustrie ist jeder Tag schlimmer als Auschwitz“.
Ich finde mit dieser Argumentation, die aufzeigen soll wie schlimm die Mastanlagen sind, wird ein Fass aufgemacht das ich nicht mal anrühren möchte. Hier wird nämlich der Holocaust, das schlimmste Verbrechen welches je von den Menschen dokumentiert wurde, dazu benutzt um etwas anderes zu verteufeln.
Ja, ich finde Mastanlagen und Schlachtbetriebe schlimm und abscheulich. Sie sind Moralisch verwerflich und tun der Umwelt garantiert nichts gutes. Sie entfremden Fleisch zu einer Ware aus dem Supermarkt und nicht als etwas, das von einst lebenden Tieren stammt.
Aber: Ich denke doch dass es wesentlich bessere Argumente gibt um aufzuzeigen wie schlimm die Fleischindustrie ist.
Die bloße Zahl der getöteten Lebewesen (pro Tag) zu vergleichen reicht hier nicht als Argument aus. Die Ausmaße die der Holocaust genommen hat sind Zielgerichtete Verfolgung, Zwangsarbeit, zusammenpferchen in Lager, Massenhinrichtungen und vergasen von Menschen die nicht in das Weltbild der meisten Deutschen passten. Sie wurden entmenschlicht, ihre Haut, Zähne und Haare wurden für Schmuck und Lampenschirme benutzt, sie wurden gezwungen ihre Arbeitskraft bis zum Tode in die Produktion von Waffen zu investieren.
Ich möchte nicht sagen dass die Fleischindustrie gut ist – ich denke nur dass die Schrecken und das Grauen der Judenverfolgung mit nichts verglichen werden sollten um die Einzigartigkeit dieses Schreckens nicht zu relativieren.
Wenn ihr also das nächste mal Auschwitz mit einer Mastanlage vergleichen wollt, überlegt euch doch bitte erst mal was es für andere Argumente gibt die nicht gleich die Geschichte zu relativieren versuchen – denn ein Holocaust-Vergleich hat noch nie dazu geführt das eine Diskussion besser wurde.

Liebe Grüße
eine schwarze Katze