Archiv der Kategorie 'Aus der beliebten Kategorie: Warum ...?'

Warum Position beziehen?

Hallo,

Eigentlich wollte ich zur aktuellen Lage in Nahost nichts schreiben weil ich mir sicher bin das das die Nachrichten und alle möglichen Gruppen und Leute eh tun und vermutlich viel besser.
Zur aktuellen Lage möchte ich auch nicht viel sagen, sondern darauf eingehen warum es wichtig ist Position zu beziehen.

Wenn wir mal von der Position abrücken das das alles bewaffnete Idioten sind die sich nur um ein Land bekriegen kommen wir früher oder später darauf dass die einen den Holocaust überlebt haben oder die Nachfahren von Holocaust überlebenden sind und auf der ganzen Welt verfolgt werden.
Und die werden nun ständig mit Raketen beschossen.
Wenn dann zurückgeschlagen wird geht ein Aufschrei durch die sozialen Netzwerke und die Medien, wie böse böse das doch ist. Und plötzlich, da stehen linke und Islamisten und Nazis auf der Straße und rufen Parolen wie „Hamas Hamas – Juden ins Gas“.
Jüdische Gemeinden fürchten um ihre Mitglieder, in Frankreich werden Synagogen angegriffen, überall gibt es Ausschreitungen. Und der einzige Ort, an dem diese Menschen nicht verfolgt werden, ist Israel. Der Ort, der aktuell von hunderten Kassam-Raketen von der Hamas und Splittergruppen beschossen wird.

Warum wir jetzt Position beziehen sollten? Weil es mal wieder an der Zeit zu sein scheint das der Holocaust und die Judenverfolgungen der letzten Jahrhunderte in das Vergessen der Menschen eingesickert sind. Weil Antisemitismus wieder an der Tagesordnung ist. Weil Demos Judenfeindliche Parolen grölen, ohne verfolgt zu werden. Weil Menschen, die sich solidarisch mit denen zeigen die seit jahrunderten in der Minderheit sind und überall auf der Welt verfolgt werden, angegriffen werden.

Ziel einer emanzipatorischen, linksradikalen Politik war und ist immer noch Minderheiten zu schützen und zu stärken, Ungerechtigkeit aufzuzeigen und anzugreifen und nicht Antisemitismus wieder auf die Straße tragen oder nichts tun – denn beides hat uns noch nie weiter gebracht!

Solidarische Grüße,
eine schwarze Katze

Warum Palitücher?

Moin,

Eigentlich hab ich ja überlegt mal was zur aktuellen Situation in Nahost zu schreiben. Aber dann dachte ich mir, ein Text über Palitücher und meine Sicht auf dieses, unter Linken doch sehr kontrovers diskutierte Thema, wäre vielleicht einfach mal Sinnvoller – denn zur aktuellen Lage in Israel/Palästina brauche ich nicht mehr zu sagen als das sie absolut für‘n Arsch ist.

Palitücher – Oft werden Menschen, die ein Palituch tragen als Antisemit*Innen bezeichnet. Nun, das kann stimmen, muss es aber nicht!
Das Palituch hat eine lange Geschichte. War es erst nur eine traditionelle Kopfbedeckung hat dann irgendwann ein Großmufti es zum Symbol des Kampfes gegen die Juden ausgerufen.
Das wäre ja nicht so schlimm und könnte ignoriert werden, wenn es nicht heute immer noch in den kreisen einiger sogenannter Linker als Symbol der Solidarität mit dem Palästinensischen „Freiheitskampf“ gelten würde.
Und ja, die Kasam-Brigaden oder andere radikale Islamistische Gruppierungen benutzen auch heute noch diese Tücher als Kopfbedeckungen wenn sie Anschläge verüben oder Raketen auf Israel abfeuern. Woraus sich schließen lässt das dieses Symbol auch bei solchen militant-antisemitischen Gruppierungen nach wie vor eine entsprechende Bedeutung hat.

Das Tuch selber hat also einen antisemitischen Hintergrund. Das macht mich jetzt aber, nur weil ich eben solch ein Tuch trage, noch lange nicht zu einer Antisemit*In. Denn, und das ist wichtig, ich kann mir einfach keine Gedanken dazu gemacht haben, es aus modischen Zwecken Tragen und/oder einfach mal irgendwann in einem U-Laden gefunden/von befreundeten Personen geschenkt bekommen haben.
Erst meine Einstellung und meine persönliche Motivation können mich zu einer antisemitischen Person machen, die dann halt auch ein antisemitisches Symbol, nämlich das Palituch, trägt.

So, nun sei abschließend noch gesagt das es auch andere Kulturen gibt wo das Tuch NCIHT diese Bedeutung hat – in der bundesdeutschen Linken und, meines Wissen nach in der Europäischen Linken auch, wird dieses Tuch jedoch in dem Kontext der solidarität mit dem „Freiheitskampf“ des Palästinensischen Volkes gesehen und nicht als traditionelle Kopfbedeckung irgendeiner Landwirtschaftlichen Bevölkerung.

Also: Wer sich mal damit auseinandergesetzt hat sollte sich bewusst sein dass dieses Tuch eine antisemitische Bedeutung hat und vielleicht das nächste mal noch einmal mehr nachdenken ob mensch das nun wirklich tragen möchte, oder ob zum halswärmen nicht einfach ein anderes Tuch/ein normaler Schal reicht.

Liebste Grüße,
eine schwarze Katze :3

P.S.: Mich klärt gerade wer über folgendes auf, ich zitiere einfach mal:

„das Rot-weiße Pali wurde in den 70er und auch noch 80er jahren in der
Friedensbewegung als explizit friedliches solidarisches Symbol getragen.
der Ausdruck war im Grunde: solidarität mit dem friedlichen Widerstand
in Palästina.

Das ist dann irgendwann eingegangen, weil zu der Zeit auch explizit
friedliche Demos in Gaza massiv angegriffen und verhindert wurden. Inklusive scharfe Waffen und so,
weswegen es seit dem kaum noch friedliche Demos dort gibt.

Dachte nur, es ist interessant zu wissen, dass es auch beim Pali
durchaus an Farben erkennbare
Unterschiede gab und auch damals die Problematik von verschiedenen
Strömungen innerhalb der linken Szene und Friedensbewegung in Schland gab“

Warum sind coole Antifas einfach nicht die tollsten?

Er ist jedes Wochenende auf einer Demo und blockiert Nazis. Tagsüber hängt er unter der Woche im autonomen Jugendzentrum rum, kennt dort jeden und weiß auch immer Bescheid. Seine Taten in der ersten Reihe kennen nun auch schon alle und auf dem Dancefloor ist er echt mal der größte. Wenn ich ihn auf ner Demo sehe dann ist er der lautstarke kämpferische Held der seine Freundin beschützen muss – der Ideale Antifschist halt.

Aber halt, finde ich das wirklich? Eigentlich nicht. In meinen Augen sollte ein*e Antifaschist*In nicht nur auf der Straße gegen Nazis Demos und Blockaden machen. Klar, das ist schön wenn so was passiert und wenn sich Menschen entschlossen diesen Ärschen in den Weg stellen, aber ein konsequenter Antifaschismus geht viel weiter.
Wenn ich gegen Nazis bin weil ich ihr Weltbild ablehne muss ich auch selbst versuchen ihr Weltbild, und sei es im noch so kleinen, mit allen Mitteln nicht in mein Leben einfließen zu lassen.
Was das für mich persönlich bedeutet?
Nun, für mich bedeutet das mein Verhalten zu hinterfragen und zu reflektieren – und anderen dabei zu helfen das ihre zu reflektieren.
Denn nur wenn wir selbst den Sexismus, Heteronormativität, Zweigeschlechtlichkeit, Rassismus und Antisemitismus in unserem Denken erkennen und bekämpfen und uns auch mal kritisieren lassen können wir Antifaschist*Innen sein.

Aber bevor ich jetzt hier herumpöbel und allen sage das sie doof sind: Mein Verhalten ist auch manchmal einfach nur das des Typischen Helden: weiß, heteronormativ, aufopfernd und zum Kotzen – aber genau das muss dann halt auch reflektiert werden.

antifaschistische Grüße,
eine schwarze Katze