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Warum Palitücher?

Moin,

Eigentlich hab ich ja überlegt mal was zur aktuellen Situation in Nahost zu schreiben. Aber dann dachte ich mir, ein Text über Palitücher und meine Sicht auf dieses, unter Linken doch sehr kontrovers diskutierte Thema, wäre vielleicht einfach mal Sinnvoller – denn zur aktuellen Lage in Israel/Palästina brauche ich nicht mehr zu sagen als das sie absolut für‘n Arsch ist.

Palitücher – Oft werden Menschen, die ein Palituch tragen als Antisemit*Innen bezeichnet. Nun, das kann stimmen, muss es aber nicht!
Das Palituch hat eine lange Geschichte. War es erst nur eine traditionelle Kopfbedeckung hat dann irgendwann ein Großmufti es zum Symbol des Kampfes gegen die Juden ausgerufen.
Das wäre ja nicht so schlimm und könnte ignoriert werden, wenn es nicht heute immer noch in den kreisen einiger sogenannter Linker als Symbol der Solidarität mit dem Palästinensischen „Freiheitskampf“ gelten würde.
Und ja, die Kasam-Brigaden oder andere radikale Islamistische Gruppierungen benutzen auch heute noch diese Tücher als Kopfbedeckungen wenn sie Anschläge verüben oder Raketen auf Israel abfeuern. Woraus sich schließen lässt das dieses Symbol auch bei solchen militant-antisemitischen Gruppierungen nach wie vor eine entsprechende Bedeutung hat.

Das Tuch selber hat also einen antisemitischen Hintergrund. Das macht mich jetzt aber, nur weil ich eben solch ein Tuch trage, noch lange nicht zu einer Antisemit*In. Denn, und das ist wichtig, ich kann mir einfach keine Gedanken dazu gemacht haben, es aus modischen Zwecken Tragen und/oder einfach mal irgendwann in einem U-Laden gefunden/von befreundeten Personen geschenkt bekommen haben.
Erst meine Einstellung und meine persönliche Motivation können mich zu einer antisemitischen Person machen, die dann halt auch ein antisemitisches Symbol, nämlich das Palituch, trägt.

So, nun sei abschließend noch gesagt das es auch andere Kulturen gibt wo das Tuch NCIHT diese Bedeutung hat – in der bundesdeutschen Linken und, meines Wissen nach in der Europäischen Linken auch, wird dieses Tuch jedoch in dem Kontext der solidarität mit dem „Freiheitskampf“ des Palästinensischen Volkes gesehen und nicht als traditionelle Kopfbedeckung irgendeiner Landwirtschaftlichen Bevölkerung.

Also: Wer sich mal damit auseinandergesetzt hat sollte sich bewusst sein dass dieses Tuch eine antisemitische Bedeutung hat und vielleicht das nächste mal noch einmal mehr nachdenken ob mensch das nun wirklich tragen möchte, oder ob zum halswärmen nicht einfach ein anderes Tuch/ein normaler Schal reicht.

Liebste Grüße,
eine schwarze Katze :3

P.S.: Mich klärt gerade wer über folgendes auf, ich zitiere einfach mal:

„das Rot-weiße Pali wurde in den 70er und auch noch 80er jahren in der
Friedensbewegung als explizit friedliches solidarisches Symbol getragen.
der Ausdruck war im Grunde: solidarität mit dem friedlichen Widerstand
in Palästina.

Das ist dann irgendwann eingegangen, weil zu der Zeit auch explizit
friedliche Demos in Gaza massiv angegriffen und verhindert wurden. Inklusive scharfe Waffen und so,
weswegen es seit dem kaum noch friedliche Demos dort gibt.

Dachte nur, es ist interessant zu wissen, dass es auch beim Pali
durchaus an Farben erkennbare
Unterschiede gab und auch damals die Problematik von verschiedenen
Strömungen innerhalb der linken Szene und Friedensbewegung in Schland gab“

Friedensdemo

Moin Ihr da draußen,

Mittwoch gab es in Göttingen eine „Friedensdemo“. Genauer war es eine Mahnwache in der Menschen dazu aufgerufen haben „Frieden zu machen“ und „für den Frieden zu sein“.
Ich hab mir das ganze mal aus einiger Entfernung angesehen und kann nun folgendes Berichten und kritisieren:

Auf der Demo waren erst mal recht viele verschiedene Leute, meistens sehr hippiesk gekleidet, die eine oder andere Person trug auch schon mal keck ein Palituch um den Hals. Etwas abseits standen ein paar Menschen mit Sonnenbrillen und Aluhütchen auf, andere hielten Schilder in und um die Mahnwache herum auf denen „Echsenmensch“ über einer abgebildete Angela Merkel oder „Jüdisch-Bolschewistische Weltverschwörung e.V.“ stand.
Menschen in der Kundgebung entrollten irgendwann sehr bunte „Peace“ Fahnen, andere fuhren auf ihrem Fahrrad herum und verteilten Flyer die sich kritisch mit den Montagsdemos in anderen Städten befassten.
Das ganze resultierte dann in Redebeiträgen – ein paar Punkte möchte ich hier mal herauspicken und kritisieren:

Der Redner sprach von dem bösen TTIP, Monsanto Genmais, Veganer Ernährung und warf den Menschen vor sich nicht damit zu beschäftigen sondern einfach zu konsumieren und damit die Welt schlechter zu machen.
Ja, lieber Redner, ich persönlich finde TTIP, Gentechnik und ein fehlendes Konsumbewusstsein auch scheiße. Vereinfacht ist das was du da gesagt hast jedoch folgendes: „Ich habe mich damit beschäftigt und lebe jetzt so, und das ich so lebe ist besser. Wenn ihr nicht so lebt seid ihr böse und vernichtet die Erde/macht Krieg.“
Ich kann dir sagen: Leuten vorzuwerfen das sie nicht genug machen hat noch nie funktioniert. Den Leuten aufzeigen was sie machen können und wie einfach das ist schon. Alternativen sollten benannt werden anstatt sich selbst zu einem besseren Menschen zu machen.

Die Aussage: „Wir wollen Frieden“: Dazu meine erste Frage: Wie definiert ihr Frieden? Ich denke mal das es sehr viele unterschiedliche Definitionen zu „Frieden“ gibt.
Wenn wir das definiert haben, nächste Frage: Wie soll dieser Frieden erreicht werden? Dadurch das wir alle Händchen halten und Lieder singen die von Blumenwiesen, Regenbögen oder Acid-Trips handeln? Einen Krieg, von Deutschland/Russland/Amerika/[Nation deiner Wahl einsetzen] verursacht der die gesamte Menschheit unter einem Banner zusammenfasst und kontrolliert das alle sich lieb haben? Oder gibt es da auch ein Konzept welches real politisch funktionieren kann?

Wenn ich mir so die Veranstalter*Innen auf Facebook anschaue sehe ich das sehr viele Argumente von euch die in Richtung: „Informiert euch, da gibt es diese und jene Doku zu von dem und dem Sender und in dem und dem Parlament wurde die auch schon gezeigt. Wenn ihr euch die nicht anschaut seid ihr böse.“
Ja, es gibt viele Dokus im Internet. Aber seid wann sind die Dokus „gut“ oder „vertrauensvoll“ nur weil ein großer Sender sie gezeigt hat? Oder sie vor einem, durch Gewalt, Nationalwahn und „Demokratie“ legitimierten Parlament gezeigt wurden? Ganz ehrlich, „Gerechtigkeit“ ein Lied von der Punkband Slime wurde auch mal im Deutschen Bundestag gespielt. Das bedeutet aber noch lange nicht das der Inhalt gut oder schlecht ist.

Ein Argument welches ich meine gehört oder gelesen zu haben war das Mensch euch ja zuhören muss weil freie Meinungssäuerung und so. Ähm, die freie Meinungssäuerung bedeutet auch das ich an dem, was du sagst, herumkritisieren darf. Und es bedeutet auch das ich dir nicht zuhören muss. Denn du hast zwar das Recht darauf deine Meinung kund zu tun, aber nicht darauf das dir alle zuhören.

Nächster Punkt: Russland ist gar nicht so böse, das wird nur von den Medien so dargestellt. Ja, kann sein. In meinen Augen ist Russland aber einfach scheiße. Ob jetzt wegen Kriegen, Pussy Riot, Anti-Gay Laws oder ihrem Umgang mit Atomkraft/Atomwaffen (die Liste könnte ich noch ewig fortsetzen). Für mich sind aber auch alle anderen Staaten überflüssig (von denen mal abgesehen die noch zum Schutz von politisch verfolgten bestehen müssen) und dürfen gerne abgeschafft werden. Ich habe keine Lust das Spiel „Staat X hat aber mehr Leichen im Keller als Staat Y“. Alle Staaten haben Leichen im Keller, und es werden täglich mehr. Nach meiner Ansicht gibt es keinen „guten“ oder „bösen“ sondern nur überflüssige Staaten.

Thema Kriege: Ja, Kriege sind böse, blutig und gemein. Und manchmal einfach nötig. Wir feiern heute den 8. Mai. Meinst du dieses Datum wäre ohne einen Krieg möglich?
Es gibt Situationen in der Real existierenden Welt in der ein Krieg mehr Tote verhindern kann. Aber: Jeder Krieg sollte auch mit kritischen Augen verfolgt werden.

Thema Verschwörungstheorien: Ihr sagt ihr hättet nichts mit Verschwörungstheorien am Hut? Auf der Internetseite eines Veranstalters finde ich ein Video zu Chemtrails. Ja, das lief auf irgendeinem Sender und ist gaaaanz wichtig und überhaupt total aussagend (ja, ich habe es mir nicht angesehen).
Ich möchte an diesem Punkt nicht darüber diskutieren ob es Chemtrails wirklich gibt und aus welchem Grund das gemacht wird, meine Meinung ist da nicht so wichtig. Irgendwo bei Facebook konnte ich aber lesen irgendwer was von „wer das Geld hat kann sich einen blauen Himmel kaufen“ erzählt hat. Andere Theorien dazu sind ja das durch schlechtes Wetter die Menschen zum Kaufen gebracht oder vom aufmucken abgebracht werden sollen. Nun, hier ist meine Frage wer dafür verantwortlich ist (unter der Annahme das es Chemtrails gibt). Die Antwort ist meistens „die Reichen“, weil sie „mehr Geld“ scheffeln wollen. In dem Fall finde ich es Falsch mit dem Finger auf eine Gruppe zu zeigen und zu sagen „Ihr seid Schuld, weil eure Geldsucht vergiftet den Regen“.
Vielmehr ist hier doch das System der Schuldige, denn gäbe es nicht das System in dem du immer die beste Position haben musst um weiter zu kommen und immer mehr haben musst um dich groß zu fühlen bräuchte es auch keine Manipulation des Wetters. Oder der Medien. Oder von wasweißich.

So, es gibt noch mehr Punkte die ich da kritisieren könnte, aber ich belasse es mal bei dem hier an Text.

kritische Grüße,
eine schwarze Katze

Politik im Alltag oder: Das fehlen von Konversationsgegenständen

Hallo an alle,

Gestern war ich auf einem Geburtstag eingeladen – es wahr sehr schön, und trotzdem ist mir etwas aufgefallen das mich zum Nachdenken gebracht hat.

Neben mir wahren diverse Freund*Innen von besagtem „Geburtstagskind“ da, bei denen es auch einige Überschneidungen zu meinem Freund*Innenkreis gibt.
Eines der Themen über die ich mich mit den Menschen dort super unterhalten konnte war das allgegenwärtige Rollenspiel, das andere Politik. Das wir uns über etwas anderes unterhalten haben, außer dann vielleicht mal kurz Essen und Trinken oder über die noch ausbleibenden Gäste kann ich mich nicht groß erinnern.

Die Frage die ich mir stelle: Ist es nun negativ das wir nur Politik und Rollenspiel als Gesprächsthemen haben?
Ich würde diese Frage mit einem Nein beantworten, denn ich denke andere „Gruppen“ oder „Personenkreise“ haben, genau wie wir, so gut wie immer eine eingeschränkte Wahl an Themen die sie diskutieren/bereden. So geht es bei vielen denke ich mal um (Bundesliga-)Fußball, Modetipps, aktuelle TV-Sendungen, Filme und Videospiele so wie Tratsch und Klatsch. Oder halt auch mal gerne über die letzte Party.

Vielen Menschen erscheinen unsere Gesprächsthemen vermutlich abschreckend, geht es doch immer darum was wieder wo passiert ist, wer was erlebt hat und das ganze in einer feministisch- antifaschistischen Perspektive zu bewerten.
Ich denke das es uns einfach hilft uns weiter zu emanzipieren, selbst zu hinterfragen und reflektieren und irgendwie dann doch ein besseres Gesprächsthema ist als „Hast du gesehen was B-Promi XY wieder ekliges gegessen hat im Dschungelcamp?“.

Soweit von mir,
Ich wünsche euch allen noch ein schönes verlängertes Wochenende mit dem Lattenjup,

eine schwarze Katze